Frankfurt Next Generation

Das sind die Ergebnisse der Online-Umfrage

3. Juli 2024

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Im Februar und März 2024 sind über 12.500 Frankfurterinnen und Frankfurter dem Aufruf von Frankfurt Next Generation, einer Initiative der Polytechnischen Gesellschaft in Kooperation mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und weiteren Partnern, gefolgt und haben über eine digitale Beteiligungsplattform ihre Meinungen und ihre Ideen zu Frankfurts Zukunft abgegeben. Die Ergebnisse aus der Online-Umfrage sind nun verfügbar.

Die digitale Beteiligungsplattform von Frankfurt Next Generation (FNG) stand unter dem Motto "Gib deinen Senf dazu" und war, ganz in der Frankfurter Tradition des Bürgerengagements, ein Angebot, sich bei der Entwicklung der eigenen Stadt einzubringen. 12.682 Menschen haben das polytechnische Angebot wahrgenommen. Über 2.000 Menschen wollen explizit weiter aktiv am Prozess beteiligt werden und in den Austausch mit den Veranstaltern treten.

70 Prozent für ein nachhaltiges Frankfurt

Die Ergebnisse der Einsendungen machen deutlich: Über 70 Prozent befürworten die Vision eines nachhaltigen Frankfurts und messen dieser die meiste Bedeutung für ihre Zukunft bei. 87,6 Prozent sind für mehr Grün und mehr Schatten im Stadtraum und 75,1 Prozent wünschen sich für die Zukunft der Stadt neue umweltfreundliche Mobilitätskonzepte. Die Visionsvorschläge zur Kulturstadt und zur vernetzten Stadt folgen auf Platz zwei und drei der Beliebtheitsskala. Den Schluss bildet die Vision der digitalen Stadt, nur 30 Prozent haben diese Vision ausgewählt.

Die Online-Beteiligung baut auf Vorarbeiten der Boston Consulting Group auf, die ausgehend von Experteninterviews und der Auswertung vorliegender Konzepte fünf Narrative für das Frankfurt der Zukunft entwickelt hatte. Zusätzlich fand im Dezember 2023 eine Visionswerkstatt statt, in der etwa 40 geladene Gäste aus der Frankfurter Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung zu Frankfurts Zukunftsbildern und Bedarfen arbeiteten. Auf der Basis dieser Vorarbeiten wurden vom Lehrstuhl Digital City Science an der Hafencity Universität Hamburg zusammen mit dem WISSENSARCHITEKTUR Laboratory of Knowledge Architecture der TU Dresden die Online-Beteiligung mit acht Zukunftsvisionen für Frankfurt erarbeitet.

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und Co-Leiter der Initiative FNG, beschreibt den Erfolg und die Relevanz dieses neuartigen Beteiligungsprozesses: "Für einen positiven Wandel in der Stadt sind zuallererst Bürgerinnen und Bürger nötig, die sich engagieren wollen. Somit freut es uns umso mehr, wie viele Menschen sich die Zeit genommen haben, aktiv über die Zukunft ihrer Stadt nachzudenken. Dass dieser wahre Schatz an Ideen und Verbesserungsvorschlägen nun im weiteren Verlauf von 'Frankfurt Next Generation' in konkrete Projekte überführt werden soll, zeichnet unser partizipatives Transformationsprojekt besonders aus."

Mit der Online-Beteiligung wurden – auch aufgrund der Marketingkampagne, entwickelt und durchgeführt von der Kreativagentur esistfreitag – vor allem junge Menschen erreicht. 18 bis 34-jährige haben sich am häufigsten beteiligt und damit genau die Zielgruppe, die angesprochen werden sollte, wenn es darum geht, eine Zukunft zu entwickeln, die sie auch (er)leben müssen. Jeder Frankfurter Stadtteil konnte erreicht werden, besonders Menschen aus dem Nordend, Bornheim, Bockenheim und Sachsenhausen waren aktiv.

Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, benennt die wichtigsten Erkenntnisse aus der Online-Beteiligung: "Die Menschen bekennen sich ganz klar zu einer nachhaltigen Stadt, in der sich Wirtschaft, Gesellschaft und Natur gleichermaßen zukunftsfähig entwickeln können. Besonders der Bereich Umwelt oder Natur scheint den Teilnehmenden in Frankfurt bisher zu kurz zu kommen – der Wunsch nach einer 'grünen Stadt' und damit nach einer grünen und blauen Infrastruktur ist immens."

Über 4.500 eigene Ideen

Die Online-Beteiligung hat den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, auch eigene Visionen für Frankfurts Zukunft zu entwickeln und mitzuteilen. 1.171 eigene Visionen und über 4.500 Ideen sind eingegangen. Zusammen mit den weiteren Freitext-Antworten, die man in der Online-Beteiligung zum Beispiel zu den einzelnen Visionen abgeben konnte, ergeben sich tausende Antworten, die in der Auswertung zu 11.104 Kodierungen geführt haben – oder zu sehr viel Senf.

Die qualitative Analyse der getroffenen Aussagen bestätigt die Ergebnisse der quantitativen Auswertung: Frankfurts Zukunft soll sich durch eine zukunftsgerechte Mobilität, grüne und blaue Infrastruktur, sowie eine inklusive Gesellschaft auszeichnen. Ganz eindeutig lässt sich hier ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und der Wunsch nach einer Stadt, die Lebensqualität für alle bietet, erkennen.

Beispielhaft dafür steht folgende eingereichte Vision: "Frankfurt ist auch die Stadt des Apfelweins, dazu braucht es Äpfel, nicht Konzentrat aus China. Die Äpfel wachsen an Bäumen im Grüngürtel. Ich wünsche mir so viele Apfelbäume, dass Frankfurt sich selbst mit Wein und Saft aus eigenen Äpfeln versorgen kann. Die Apfelbäume stehen in den Streuobstwiesen im Grüngürtel und müssen gepflegt und erneuert werden. Bei der Ernte sollen viele BürgerInnen beteiligt werden, die Wiesen sind ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz."

Der Apfel steht hier exemplarisch für die Dinge, die die Menschen an Frankfurt schätzen, schützen und ausbauen wollen und sich in jeder der aus der Online-Beteiligung entstandenen 14 Visionen wiederfinden, darunter an erster Stelle stadtnahes Grün, welches für Gesundheit und Erholung sorgt und ganz wesentlich die Qualität des Lebens in der Stadt erhöht.

Der Wunsch nach einer nachhaltigen Stadtentwicklung und mehr Stadtnatur ist eines der leitenden Motive der Online-Beteiligung. Die Bürgerinnen und Bürger fordern umfassende Begrünungsmaßnahmen, um das Stadtklima zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Begrünung von Häusern, Straßen, Plätzen – überall in der Stadt sollen blaue und grüne Infrastrukturen und dazu passende Begegnungsorte geschaffen werden.

Für mehr Natur in der Stadt braucht es Platz. Wenn es nach den Teilnehmenden der Online-Beteiligung geht, sollte der Natur und dem Menschen in der Stadt mehr Platz eingeräumt und dafür der Raum für Autos eingeschränkt werden. 2.531 Ideen wurden zum Thema zukunftsgerechte Mobilität abgegeben, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Fuß- und Fahrradwege stand dabei im Mittelpunkt.

Über 1.100 Ideen wurden zur Vision einer inklusiven Gesellschaft abgeben. Nach der zukunftsgerechten Mobilität befassen sich die eingebrachten eigenen Visionen und Ideen am häufigsten mit diesem Thema. Diese Vision beschreibt eine Gesellschaft, der sich alle Menschen zugehörig fühlen, vor allem auch deshalb, weil sie aktiv an ihr teilhaben können. Das betrifft Jung und Alt genauso wie Neu-Frankfurter unterschiedlichster Herkunft sowie Menschen mit Einschränkung und Förderbedarf. Auch andere Hürden sozialer Teilhabe sollen überwunden werden: Armut, Drogen und Kriminalität sollen bekämpft werden.

Die Ergebnisse der Online-Beteiligung bilden nun die Grundlage für den weiteren Prozess und neue Möglichkeiten der Beteiligung: Im April wurden an zahlreichen U-Bahnhaltestellen im gesamten Stadtgebiet beschreibbare Plakate in neun Sprachen aufgehängt, um einen besseren Einblick in die Stadtteile zu gewinnen. Ende Mai fanden die ersten Workshops mit Expertinnen und Experten sowie Teilnehmenden der Umfrage statt, um aus den eingegangenen Visionen und Ideen konkrete Projekte zu entwickeln. Auch hier lag der Fokus auf Projekten, die durch rein bürgergesellschaftliches Engagement umgesetzt werden können. Die Ideen reichten von einem Haus der Möglichkeiten, das angelehnt an die Oodi-Bibliothek von Helsinki eine multifunktionale und multikulturelle Begegnungsstätte werden soll, über einen psychologischen Wegweiser für Frankfurt bis hin zu Aufwertung von Wahlen.

Parallel dazu wurde auch der Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Frankfurts Gesellschaft, Wirtschaft und Politik fortgeführt. Auch durch diese Formate sollen die in der Online-Beteiligung entwickelten Visionen bestenfalls in Projekte überführt und so umgesetzt werden.

Am 11. und 12. September 2024 finden diese Aktivitäten ein Ende im großen FNG-Zukunftsfestival gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt. Die erarbeiteten Zielbilder für Frankfurt werden öffentlich präsentiert und geplante Umsetzungsaktivitäten der beteiligten zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure vorgestellt. Das Zukunftsfestival dient als Startpunkt der Umsetzungsphase. An den zwei Tagen im September steht das voneinander Lernen und das gemeinsame Handeln im Mittelpunkt.

"Frankfurt Next Generation" ist eine Initiative der Polytechnischen Gesellschaft in Kooperation mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und weiteren Partnern, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Zukunftsvision von Frankfurt 2035+ zu entwickeln, die gesellschaftlich getragen und umsetzbar ist.