Die Polytechnische Gesellschaft und ihre Stiftung Polytechnische Gesellschaft stehen für Bürgersinn, gesellschaftliche Verantwortung und demokratische Werte. Sich auf diese Tradition zu berufen, bedeutet für uns aber auch, uns den Widersprüchen unserer eigenen Geschichte zu stellen: Wie verhielt sich die im Jahr 1816 gegründete Polytechnische Gesellschaft während des Nationalsozialismus? Wie ging sie mit ihren jüdischen und politisch verfolgten Mitgliedern um? Und wie setzte sie sich nach 1945 mit der eigenen Vergangenheit auseinander?
Diesen Fragen geht der Historiker János Varga in seiner neuen Studie "Bürgersinn und Nationalsozialismus. Die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main und ihre Mitglieder" nach. Die am Fritz Bauer Institut entstandene wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie sich die Polytechnische Gesellschaft nach 1933 zunehmend an die nationalsozialistischen Verhältnisse anpasste. Zum Bruch mit der eigenen liberalen und humanistischen Tradition kam es schließlich 1936, als im Zuge einer sogenannten "Bereinigung" zahlreiche Persönlichkeiten aus der Mitgliederliste gestrichen wurden. Besonders jüdische und politisch verfolgte Mitglieder wurden auf diese Weise ausgegrenzt und ausgeschlossen.
Varga rekonstruiert die Schicksale von mindestens 25 Polytechnikern, die als Verfolgte des Nationalsozialismus gelten müssen. Zugleich untersucht er die Rolle der Mitglieder, die sich dem NS-Regime zuwandten und seine Politik unterstützten, sowie den Umgang der Polytechnischen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit nach 1945.
Die Polytechnische Gesellschaft e. V. und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft haben die Studie initiiert sowie gemeinsam finanziert. Die Untersuchung wurde in wissenschaftlicher Unabhängigkeit am Fritz Bauer Institut durchgeführt.
So schmerzhaft die Ergebnisse dieser Studie für uns sind, so müssen wir sie doch als Teil unserer Geschichte akzeptieren. Wir berufen uns auf eine lange Tradition des Bürgersinns, aber wir dürfen nicht nur auf die hellen Seiten unserer Geschichte schauen", betont Prof. Dr. Volker Mosbrugger, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft e. V.
"Aus der nun erschienenen Studie erwächst für uns eine besondere Verpflichtung: Wir wollen dazu beitragen, dass die Erinnerung an die damals ausgeschlossenen und verfolgten jüdischen Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft lebendig bleibt", so Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
Vorstellung der Studie
Am 18. November 2026 stellt János Varga seine Forschungsergebnisse in einem öffentlichen Vortrag mit anschließender Diskussion vor. Die Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Polytechnischen Gesellschaft bietet Gelegenheit, sich mit den Erkenntnissen der Studie und ihrer Bedeutung für die Gegenwart auseinanderzusetzen.
Mittwoch, 18. November 2026, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Norbert-Wollheim-Platz 1, IG Farben-Haus, Raum 311 (Parterre)
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Einlass solange Plätze frei sind, eine Reservierung ist leider nicht möglich.
Weitere Informationen zur Veranstaltung unter: https://polytechnische.de/veranstaltungen/saison-2026-2027-3/18-11-buergersinn-und-nationalisozialismus-die-polytechnische-gesellschaft-und-ihre-mitglieder-1929-bis-1966
sowie zur Studie "Bürgersinn und Nationalsozialismus. Die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main und ihre Mitglieder" unter: https://polytechnische.de/verein/polytechnische-gesellschaft-und-nationalsozialismus