Ehrenamt

Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger übernimmt Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2026

10. Dezember 2025, von Jens-Ekkehard Bernerth

Der renommierte Erdsystemwissenschaftler, Biologe, Geologe und Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, wird im Sommersemester 2026 die 26. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz übernehmen. In einer öffentlichen Vorlesungsreihe unter dem Titel "Wohin treibt unsere ‚Welt in Unordnung‘?" geht Mosbrugger der Frage nach, welche Ursachen, Dynamiken und Zukunftsperspektiven hinter den globalen Krisen stehen.

Die Reihe beginnt mit einer Auftaktveranstaltung am Dienstag, 28. April 2026, um 18:15 Uhr im Hörsaal RW1 auf dem Campus der Universität Mainz. In den folgenden neun Wochen finden jeweils dienstags zur gleichen Zeit weitere Vorträge im selben Hörsaal statt. Die Abschlussveranstaltung ist für den 30. Juni 2026 geplant.

Systemischer Blick auf Erde, Leben und Menschheit

Die Vorträge widmen sich einer sogenannten „Total History“ – einem ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz zur Geschichte der Erde, des Lebens und der Menschheit. Mosbrugger greift dabei auf Erkenntnisse aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften zurück und stellt systemische Zusammenhänge in den Mittelpunkt. Ziel ist es, globale Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und soziale Gerechtigkeit nicht isoliert, sondern als miteinander verknüpfte Phänomene zu verstehen.

Die Vorlesungsreihe will gängige Missverständnisse – etwa das Konzept eines „natürlichen Gleichgewichts“ – kritisch hinterfragen und neue Denkansätze aufzeigen. Dabei verbindet Mosbrugger seine wissenschaftliche Analyse mit einem langfristig optimistischen Ausblick auf die Gestaltung nachhaltiger Zukünfte. Ein Leitgedanke stammt vom Schriftsteller Max Frisch: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Wissenschaftliche Laufbahn und Wirken

Volker Mosbrugger lehrte an den Universitäten Tübingen und Frankfurt am Main als Professor für Paläontologie und Historische Geologie. Von 2005 bis 2020 war er Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – eine der führenden Institutionen für Natur- und Biodiversitätsforschung weltweit. Seit 2021 befindet er sich im sogenannten „aktiven Ruhestand“ und engagiert sich weiterhin in Forschung, Wissenschaftskommunikation und Politikberatung.

Er koordiniert unter anderem die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ (bitte Quellenverifizierung empfohlen: Projekttitel und Förderinstitution prüfen), ist Präsident der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt und leitet das interdisziplinäre Königsteiner Forum.

Mosbrugger studierte Biologie, Chemie, Meeresbiologie und Geowissenschaften an den Universitäten Freiburg und Montpellier. 1983 promovierte er in Freiburg, 1989 habilitierte er sich an der Universität Bonn. Seine Forschungsarbeit umfasst evolutionäre und klimatische Prozesse sowie Mensch-Umwelt-Beziehungen.

Zu seinen wissenschaftlichen Gründungen zählen das Senckenberg Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum in Frankfurt, das Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Tübingen sowie das internationale Forschungsnetzwerk Third Pole Environment.

Mitgliedschaften und Auszeichnungen (Auswahl)

Volker Mosbrugger ist Mitglied mehrerer Akademien, darunter:

  • Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften
  • acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
  • Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur
  • Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Seine Leistungen wurden vielfach ausgezeichnet, darunter:

  • Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt (2022)
  • Verdienstorden des Landes Hessen (2021)
  • Hessischer Kulturpreis (2017)
  • Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG (1999)

Zur Stiftung und Vorlesungsreihe

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur wurde im Jahr 2000 von der Vereinigung der Freunde der Universität Mainz anlässlich des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg ins Leben gerufen. Sie ist beim Studium generale der Universität angesiedelt und bringt jährlich herausragende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Politik nach Mainz.

Frühere Inhaber:innen der Stiftungsprofessur waren u. a.:

  • Historiker Fritz Stern (2000)
  • Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (2002)
  • Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger (2006)
  • Bundespräsident a. D. Joachim Gauck (2020/21)
  • Polar- und Tiefseeforscherin Antje Boetius (2022)