Rosl und Paul Arnsberg-Preis und Arno Lustiger-Förderpreis

Philipp Lenhard, Wolfgang Treue und Zarin Aschrafi für Forschung zur jüdischen Geschichte Frankfurts ausgezeichnet

2. Dezember 2025 von Elisabeth Brachmann

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ehrt in diesem Jahr erneut bedeutende wissenschaftliche Arbeiten zur jüdischen Geschichte Frankfurts mit dem Rosl und Paul Arnsberg-Preis sowie dem Arno Lustiger-Förderpreis. Die feierliche Preisverleihung fand am 1. Dezember 2025 um 18.30 Uhr im Jüdischen Museum Frankfurt statt.

Die Jury bestand im Jahr 2025 aus Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Dr. Gad Arnsberg und Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich. Die ausgezeichneten Arbeiten widmen sich zentralen Kapiteln jüdischer Geschichte in Frankfurt. Prof. Dr. Philipp Lenhard erhält den Arnsberg-Preis für seine Studie "Café Marx. Das Institut für Sozialforschung von den Anfängen bis zur Frankfurter Schule". Er rekonstruiert darin die Geschichte des Instituts über eine reine Ideen- oder Institutionengeschichte hinaus als vielschichtige "Konstellationsgeschichte", die den politischen Überzeugungen wie auch den wissenschaftlichen Methoden der Frankfurter Schule neue Perspektiven hinzufügt.

Prof. Dr. Wolfgang Treue wird für seine Arbeit "Judengasse und christliche Stadt: Religion, Politik und Gesellschaft im frühneuzeitlichen Frankfurt am Main" ausgezeichnet. Die Studie verbindet rechts-, sozial-, kultur- und religionsgeschichtliche Zugänge auf Grundlage intensiver Quellenarbeit. Im Fokus steht das Verhältnis zwischen den Bewohnern der Judengasse und der christlichen Stadtgesellschaft vom 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Die Jury hebt besonders die "Fülle empirischer Details" hervor, mit der Treue das Zusammenleben von Juden und Christen in der Frühen Neuzeit anschaulich mache.

Der Arno Lustiger-Förderpreis geht an Zarin Aschrafi für das Projekt "Jüdischer Widerstand: Arno Lustigers Historiographie als Erinnerungsarbeit". In ihrer Forschung versteht sie Lustigers Werk als "jüdische Gegenerzählung zur deutschen Geschichtswissenschaft". Geplant ist auch eine Auseinandersetzung mit seiner Sammlung und Kommentierung jüdischer Partisanenlieder – ein bisher kaum beachteter Aspekt seines Schaffens.

Die Stiftung würdigt mit beiden Preisen besondere Beiträge zur Erforschung jüdischen Lebens in Frankfurt und erinnert gleichzeitig an die Namensgeber. Rosl und Dr. Paul Arnsberg stehen exemplarisch für das Engagement jüdischer Bürgerinnen und Bürger bei der Aufarbeitung der Geschichte Frankfurts. Arno Lustiger habe "maßgeblich zur Erforschung jüdischen Lebens, insbesondere des jüdischen Widerstandes, beigetragen".

"Die Erforschung jüdischen Lebens in Frankfurt ist ein wesentlicher Bestandteil unseres historischen Selbstverständnisses – dieses Bewusstsein aufrechtzuerhalten ist das Ziel unserer Stiftung. Mit diesen Preisen wollen wir die wissenschaftliche Exzellenz in diesem Thema sichtbar machen und zugleich den Nachwuchs ermutigen, sich mit jüdischer Geschichte auch in Zukunft weiter auseinanderzusetzen. Die Arbeiten, die wir in diesem Jahr auszeichnen, zeigen, wie lebendig und vielfältig die Auseinandersetzung mit der Geschichte Frankfurts ist. Ich gratuliere ganz herzlich und hoffe, dass die ausgezeichneten Werke auch von der breiten Öffentlichkeit gelesen werden. Es lohnt sich sehr", so Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und Vorsitzende der Jury, betont: "Im Jahr 2025 durfte sich die Jury erneut über eine Vielzahl an hochqualifizierten Einreichungen freuen, aus deren Mitte wir nun zwei fulminante Bücher zur Geschichte der Judengasse und des Instituts für Sozialforschung und ein überzeugendes Forschungsprojekt zur Arbeit von Arno Lustiger ausgewählt haben. Ich gratuliere den Preisträgern Prof. Dr. Philipp Lenhard, Dr. Wolfgang Treue und Zarin Aschrafi von Herzen zu der Auszeichnung."