Pressemitteilung
Stiftung Polytechnische Gesellschaft zeichnet herausragende Forschung zur jüdischen Geschichte Frankfurts aus
Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Philipp Lenhard und Prof. Dr. Wolfgang Treue. Der Arno Lustiger-Förderpreis wird an Zarin Aschrafi verliehen. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main würdigt mit den Preisen besondere Beiträge zur Erforschung jüdischen Lebens in Frankfurt am Main. Die ausgezeichneten Arbeiten haben das Institut für Sozialforschung, die Geschichte der Judengasse sowie Arno Lustigers Beitrag zur deutschen und jüdischen Erinnerungsarbeit zum Gegenstand. Die Preisverleihung findet statt am 1. Dezember 2025 um 18.30 Uhr im Jüdischen Museum Frankfurt.
FRANKFURT, 17. DEZEMBER 2025. Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis wird in diesem Jahr an zwei herausragende Forschungsprojekte zur jüdischen Geschichte Frankfurts verliehen. Ausgezeichnet werden Prof. Dr. Philipp Lenhard für sein Werk "Café Marx. Das Institut für Sozialforschung von den Anfängen bis zur Frankfurter Schule" sowie Prof. Dr. Wolfgang Treue für die Arbeit "Judengasse und christliche Stadt: Religion, Politik und Gesellschaft im frühneuzeitlichen Frankfurt am Main". Mit dem Arno Lustiger-Förderpreis wird Zarin Aschrafi für ihr Forschungsvorhaben "Jüdischer Widerstand: Arno Lustigers Historiographie als Erinnerungsarbeit" ausgezeichnet.
Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis und der Arno Lustiger-Förderpreis werden von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zur Würdigung der historischen Rolle jüdischer Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt, ihrer Beiträge zur Stadtgesellschaft sowie ihrer prägenden Rolle für das mäzenatische und kulturelle Leben der Stadt verliehen. Sie regen zugleich zur aktiven Erforschung der jüdischen Geschichte Frankfurts an und möchten zu einer besseren Kenntnis darüber in der Öffentlichkeit beitragen.
Die Stiftung erinnert mit der Preisvergabe an das Wirken der Namensgeber beider Preise: Rosl und Dr. Paul Arnsberg stehen als jüdische Bürger Frankfurts für ein Lebenswerk im Dienste der Aufarbeitung und Bewusstmachung des historischen Erbes der jüdischen Bürger Frankfurts. Der Historiker und Publizist Prof. Dr. Arno Lustiger hat ebenfalls maßgeblich zur Erforschung jüdischen Lebens, insbesondere des jüdischen Widerstandes, beigetragen.
"Die Erforschung jüdischen Lebens in Frankfurt ist ein wesentlicher Bestandteil unseres historischen Selbstverständnisses – dieses Bewusstsein aufrechtzuerhalten ist das Ziel unserer Stiftung. Mit diesen Preisen wollen wir die wissenschaftliche Exzellenz in diesem Thema sichtbar machen und zugleich den Nachwuchs ermutigen, sich mit jüdischer Geschichte auch in Zukunft weiter auseinanderzusetzen. Die Arbeiten, die wir in diesem Jahr auszeichnen, zeigen, wie lebendig und vielfältig die Auseinandersetzung mit der Geschichte Frankfurts ist. Ich gratuliere ganz herzlich und hoffe, dass die ausgezeichneten Werke auch von der breiten Öffentlichkeit gelesen werden. Es lohnt sich sehr", so Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
Juryvorsitzende Prof. Dr. Mirjam Wetzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, führt aus: "Im Jahr 2025 durfte sich die Jury erneut über eine Vielzahl an hochqualifizierten Einreichungen freuen, aus deren Mitte wir nun zwei fulminante Bücher zur Geschichte der Judengasse und des Instituts für Sozialforschung und ein überzeu-gendes Forschungsprojekt zur Arbeit von Arno Lustiger ausgewählt haben. Ich gratuliere den Preisträgern Prof. Dr. Philipp Lenhard, Dr. Wolfgang Treue und Zarin Aschrafi von Herzen zu der Auszeichnung."
Die ausgezeichneten Arbeiten im Überblick
Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis wird seit 2008 verliehen als Anerkennung für ein herausragendes wissenschaftliches Werk zur Geschichte jüdischen Lebens in Frankfurt und ist mit 10.000 Euro dotiert. In diesem Jahr wird er auf Beschluss der Jury geteilt und an zwei Preisträger verliehen die jeweils 5.000 Euro Preisgeld erhalten: Prof. Dr. Philipp Lenhard widmet sich in seiner Arbeit "Café Marx. Das Institut für Sozialforschung von den Anfängen bis zur Frankfurter Schule" der Geschichte des Instituts für Sozialforschung mit einem Zugang, der sowohl über eine reine Ideen- oder Institutionengeschichte als auch über eine Gruppenbiografie hinausgeht. Die Studie ist als "Konstellationsgeschichte" angelegt und erschließt so die wechselnden personellen und institutionellen Netzwerke, die den politischen Überzeugungen wie auch den sozialwissenschaftlichen Methoden der Frankfurter Schule zugrunde lagen. Dieses gut lesbare Werk dürfte bis auf Weiteres das sine qua non in der Erforschung des Instituts für Sozialforschung darstellen.
In seiner Arbeit "Judengasse und christliche Stadt: Religion, Politik und Gesellschaft im frühneuzeitlichen Frankfurt am Main" untersucht Prof. Dr. Wolfgang Treue die Geschichte der Judengasse von 1462 bis etwa 1800. Methodisch ist die auf intensivem Quellenstudium basierende Arbeit als histoire croisée angelegt. Sie verbindet rechts-, sozial und kulturgeschichtliche Ansätze mit religionsgeschichtlichen Perspektiven und nimmt so grundlegende Fragen des Verhältnisses zwischen den Bewohnern der Judengasse und der christlichen Mehrheitsgesellschaft in den Blick. Treues Arbeit beeindruckt durch eine Fülle empirischer Details, die das Gegen- und Miteinander von Juden und Christen in Frankfurt während der Frühen Neuzeit anschaulich werden lassen.
Der Arno Lustiger-Förderpreis wird seit 2016 zur Förderung des wissen-schaftlichen Nachwuchses verliehen. Er ist mit 3.000 Euro dotiert. Zarin Aschrafis Forschungsvorhaben "Jüdischer Widerstand: Arno Lustigers Historiographie als Erinnerungsarbeit" würdigt Arno Lustigers singulären Beitrag zur deutschen wie jüdischen Erinnerungsarbeit. Es versteht Lustigers Werk als eine jüdische Gegenerzählung zur deutschen Geschichtswissenschaft, indem es die Bedeutung des Widerstands kontextualisiert und zugleich analysiert. In der Realisierung ihres Projekts wird Frau Aschrafi auch auf Lustigers Sammlung, Übersetzung und Kommentierung von jüdischen Partisanenliedern als eine bislang wenig beachtete Facette seines Werks einbeziehen.
Die Jury im Jahr 2025
- Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main (Vorsitz)
- Dr. Gad Arnsberg, Historiker
- Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Ausführliche Details zu den beiden Preisen sind zu finden unter: https://sptg.de/projekte/kunst-und-kultur/rosl-und-paul-arnsberg-preis-und-arno-lustiger-foerderpreis
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Für Fragen und weitere Informationen steht Dr. Katharina Uhsadel zur Verfügung.
Für allgemeine Informationen zur Stiftung kontaktieren Sie bitte Axel Braun.