Deutschsommer

Drei Wochen, die nachhallen: Was der Deutschsommer bei den Kindern bewirkt

29. September 2026, von Jens-Ekkehard Bernerth. Fotos: Philip Eichler

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Es wäre ein Leichtes, den Deutschsommer nur auf das Lernen der deutschen Sprache zu reduzieren. Denn den Kindern wird in den ersten drei Wochen der Sommerferien viel mehr mitgegeben als nur die korrekte Form von Verben oder eine Wortschatzerweiterung.

"Mein schönstes Erlebnis im Deutschsommer war, dass ich so eine schöne Zeit erleben durfte. Besonders gefreut hat mich, dass ich neue Freunde gefunden und viele neue Menschen kennengelernt habe. Wir haben zusammen viel gelernt, gelacht und schöne Erinnerungen gesammelt. Ich fand es toll, neue Erfahrungen zu machen und jeden Tag etwas Neues zu erleben," sagte ein ehemaliges Deutschsommerkind. "Mir hat gefallen, dass wir als Gruppe viel zusammen unternommen haben und immer eine gute Stimmung hatten. Der Deutschsommer war für mich eine besondere Zeit, an die ich mich gerne erinnere", schrieb ein anderes in der großen Generationenumfrage, die 2026 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft durchgeführt wurde.

Es sind Statements, die alle zum selben Schluss kommen: Der Deutschsommer wirkt weit über seine sprachlichen Ansätze hinaus, das Programm hat das Leben vieler Ehemaliger nachhaltig im Positiven beeinflusst.

Mehr als 3.000 ehemalige Teilnehmende aus 19 Jahren Deutschsommer wurden insgesamt befragt. Der Grundtenor fällt dabei sehr positiv aus, der Deutschsommer hinterlässt bleibende Eindrücke: "Ich habe einen Weg eingeschlagen, den ich früher nicht erwartet hätte: Heute studiere ich Deutsch und werde es später unterrichten, obwohl ich in der Grundschule Schwierigkeiten in diesem Fach hatte. Außerdem hat sich durch den Deutschsommerkurs meine Leidenschaft für darstellendes Spiel entwickelt, was mich im Abitur dazu motiviert hat, dieses Fach zu wählen", berichtete ein ehemaliges Deutschsommerkind. Ein anderes schrieb: "Ich kam mit acht Jahren nach Deutschland, voller Begeisterung. Dieses Sommerprogramm hat mir geholfen, diese Begeisterung aufrechtzuerhalten, und mir das Gefühl gegeben, dass sich nichts in meinem Leben geändert hat, obwohl ich meinen Wohnort und mein Land gewechselt hatte.“  Ein drittes: „Ich begann mich besser und selbstbewusster zu fühlen."

Drei Säulen

So wichtig das Vermitteln der Sprachkenntnisse unbestritten ist, dürfen die beiden anderen Bestandteile - das Theaterspiel und die Sozialpädagogik - nicht als weniger wichtig empfunden werden. Vor allem die betreuenden Pädagoginnen und Pädagogen spielen eine immens wichtige Rolle für die Kinder während ihrer Zeit im Deutschsommer. Sie bilden interdisziplinäre Tridems, bestehend aus Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Lehrerinnen und Lehrern für Deutsch als Zweitsprache sowie Theaterpädagoginnen und -pädagogen. Ein Ansatz, der nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Betreuerinnen und Betreuer selbst sehr wertvoll ist, wie Sozialpädagoge Anton Faust zu berichten weiß: "Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Tridem ist immer wieder schön und bereichernd. Ich habe unendlich viel über die Arbeit mit Kindern von meinen Kollegen gelernt", sagt Anton, der bereits seit 2015 Teil des Deutschsommers ist – zuerst als Praktikant, später als Fachkraft. "Wir leben während der Deutschsommerzeit in einem gemeinsamen Haus mit den Kindern und den Kolleginnen und Kollegen, essen drei Mal täglich zusammen, schlichten Streitigkeiten, entdecken den Wald, spielen Spiele, gestalten Unterricht, lesen Geschichten, erleben Traumreisen und so vieles mehr. Diese Zeit prägt einen sehr und ich empfinde es immer als Chance, vor allem auch selbst zu wachsen."

Die Teams sind in der Zeit nicht nur dafür verantwortlich, dass die Kinder ihre Sprachkenntnisse verbessern, Selbstvertrauen beim Theaterspiel tanken und Spaß bei der Freizeitgestaltung haben, gleichzeitig sind sie in dieser Zeit Bezugsperson für die Neun- bis Zwölfjährigen, die drei Wochen lang von Zuhause weg sind. Eine lange Zeit für junge Menschen, weshalb die engmaschige, zugewandte Betreuung rund um die Uhr ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts ist. Die Auswahl der Betreuerinnen und Betreuer erfolgt durch ein umfassendes Auswahlverfahren, manche sind bereits viele Jahre im Programm aktiv. Sascha Janitz, Projektleiter bei der Stiftung und verantwortlich für die Zusammenstellung des Pädagogenteams, gibt einen Einblick in das Prozedere: "Bei der Zusammenstellung unserer pädagogischen Teams achten wir neben fachlicher und didaktischer Kompetenz auf vielfältige Biografien, Engagement und eine stärkenorientierte pädagogische Grundhaltung. Neue Fachkräfte wählen wir sorgfältig durch Gespräche und Gruppenaufgaben im Rahmen mehrerer Assessmentcenter aus."

Die Beziehung macht's

Die Beziehung der Betreuerinnen und Betreuer zu den Kindern ist zugleich ein Musterbeispiel für das Konzept „Lernen durch Beziehung“, einem pädagogischen Ansatz, der in den letzten Jahren immer mehr Beachtung findet und ein wichtiger Bestandteil der Wirksamkeit des Deutschsommers ist. Er besagt, dass Lernerfolge wesentlich auch durch das Verhältnis der Lernenden zu den Lehrenden beeinflusst werden. Eine positive, von Vertrauen und Wertschätzung geprägte Beziehung fördert Motivation, Lernbereitschaft und Beteiligung und ist damit eine wichtige Gelingensbedingung für den Lernerfolg. Für Anton Faust, der wie andere bereits seit Jahren Teil des Deutschsommer-Teams ist, das A und O im Umgang miteinander: "Beziehung ist nicht nur für das Lernen, sondern allgemein für das Leben und Arbeiten miteinander zwingend notwendig. Überall, wo Menschen zusammenkommen, kann nur dann ein gutes Umfeld geschaffen werden, wenn man einander kennt, nicht nur oberflächlich. Man sollte für sein Gegenüber Empathie, Respekt und Wertschätzung empfinden und sich gegenseitig stärken, statt in einem sinnlosen Wettbewerb mit- und gegeneinander zu stehen, oder einander ungefragt belehren zu wollen. Das ist im Erwachsenenalter nicht immer einfach, aber die Kinder zeigen mir immer wieder, dass es einfach sein kann."

Ein schönes Beispiel dafür, dass nicht nur die Kinder von den Pädagogen etwas vermittelt bekommen, sondern auch selbst viel mitgeben während ihrer Zeit im Deutschsommer. Möglicherweise mit ein Grund dafür, warum vermutlich auch bei der nächsten Generationenumfrage wieder ein Satz wie dieser zu lesen sein wird, der auf einfache Wese zeigt, wie lange die Wirkung des Deutschsommers bei den Teilnehmenden nachhallt: "Vielen vielen Dank. Immer wenn ich an Deutschsommer denke, fang ich an zu lächeln."

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