Eine lange Tafel auf einem öffentlichen Platz für alle Anwohnerinnen und Anwohner, gemeinsame Naturerlebnisse für Familien oder Tandems zwischen Studierenden und älteren Menschen: Seit einem Jahr unterstützt der "Frankfurter Miteinanderfonds" der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Ideen, die Menschen in Frankfurt zusammenbringen. Zahlreiche Anträge sind seither eingegangen, 100 Projekte wurden bereits gefördert. Eine erste Bilanz.
Auf dem Schelmenburgplatz in Bergen-Enkheim wurde in diesem Sommer aus einem öffentlichen Platz für einen Tag lang ein gemeinsames Esszimmer: Menschen aus dem Stadtteil brachten Speisen und Getränke mit, nahmen an einer langen Tafel Platz und kamen miteinander ins Gespräch. In der Wehrheimer Straße wiederum feierten dieses Jahr rund 350 Menschen gemeinsam ein Nachbarschaftsfest. Neue Anwohnerinnen und Anwohner fanden dabei Anschluss, Menschen, die sich "nur vom Sehen" kennen, knüpften echte Verbindungen – und aus gemeinsamen Gesprächen entstanden bereits Ideen für weitere Aktivitäten im Viertel.
Es sind Projekte wie diese, für die der "Frankfurter Miteinanderfonds" vor rund einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Beim großen Jubiläumsfest der Stiftung Polytechnische Gesellschaft im September 2025 wurde die neue Förderinitiative erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: als Geschenk an Frankfurt und als Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger, eigene Ideen für ein noch besseres Miteinander in ihrer Stadt umzusetzen. Die Resonanz war und ist nach wie vor groß: 100 Projekte aus 36 Frankfurter Stadtteilen konnten bislang bereits unterstützt werden, rund 50.000 Euro wurden dafür ausgeschüttet und bis heute mehr als 7.000 Menschen erreicht.
Mehr als eine Tasse Tee
Wie unterschiedlich die eingereichten und geförderten Ideen sind, zeigt die thematische Bandbreite der Initiativen: So trafen sich in Harheim zur "Fempa Tea Time" Frauen unterschiedlicher Herkunft bei einer Tasse Tee – und sie treffen sich bis heute regelmäßig. Mit der Zeit entstand so ein Ort des Vertrauens, an dem Erfahrungen ausgetauscht, enge Kontakte geknüpft und gegenseitige Unterstützung angeboten werden. In Bonames begann ein anderes Projekt mit Blumenkästen. Nachbarinnen und Nachbarn bepflanzten sie gemeinsam und brachten sie an Häusern im Stadtteil an. Währenddessen kamen sie miteinander ins Gespräch, lernten sich besser kennen und entwickelten am Ende sogar Ideen für weitere gemeinsame Aktionen. So sind am Ende nicht nur die Blumen sind geblieben – sondern auch neue Verbindungen in der Nachbarschaft. Anderswo wird mit Unterstützung der Förderinitiative gemeinsam gesungen: Im Eckenheimer Spaßchor treffen sich Menschen unterschiedlichen Alters dazu regelmäßig in einer großen Runde.
"Die vielen Anträge zeigen, wie groß die Bereitschaft der Frankfurterinnen und Frankfurter ist, ihr unmittelbares Umfeld mitzugestalten. Oft braucht es dafür gar keine großen Summen, sondern eine unkomplizierte Unterstützung, die eine Idee ins Rollen bringt", sagt Stefanie Benecke, stellvertretende Bereichsleiterin des Förderbereichs der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
Natur entdecken, Geschichten erleben, kreativ sein
Dass der Frankfurter Miteinanderfonds auch weit über klassische Nachbarschaftsfeste hinausreicht, zeigen Projekte wie die "StadtWurzelEntdecker" in Eschersheim. Eltern erkunden dort mit ihren kleinen Kindern die Natur rund um den Wasserturmspielplatz. Ziel des Angebots ist es, Naturverbundenheit, Gesundheit und Resilienz – auch schon bei den Jüngsten – zu stärken. Wie nachhaltig ein solcher Impuls wirken kann, zeigen Rückmeldungen der Familien: Eltern berichten, anschließend häufiger gemeinsam mit ihren Kindern draußen unterwegs zu sein, Pflanzen und Tiere bewusster wahrzunehmen und ihren Kindern mehr Raum für eigene Naturerfahrungen zu geben. "Ich bin entspannter geworden und lasse mehr Entdeckungen zu – zum Beispiel barfuß durch eine Pfütze zu laufen. Außerdem nutze ich Naturbeobachtungen häufiger als Anlass für Gespräche mit meinem Kind", berichtet eine Teilnehmerin.
»Die vielen Anträge zeigen, wie groß die Bereitschaft der Frankfurterinnen und Frankfurter ist, ihr unmittelbares Umfeld mitzugestalten.«
Stefanie benecke
stellvertretende Bereichsleiterin des Förderbereichs der Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Auch das Projekt "ErzählZeit" richtet sich an Familien: Eltern mit Kindern im Alter von bis zu drei Jahren erleben hier gemeinsam Geschichten in einem Kamishibai-Erzähltheater. Das Angebot verbindet gemeinsames Erleben dabei mit früher Sprachbildung. Beim generationenübergreifenden "Kreativ-Basteln" von LUKAS 14 e. V. wiederum begegnen sich Frankfurterinnen und Frankfurter mit und ohne Behinderungen jeden Alters. Kreatives Arbeiten wird hier zum Anlass für inklusive Begegnungen.
Aus »Young« und »Old« wird »YOLD«
Besonders eindrücklich bringt das Projekt YOLD Menschen zusammen, deren Lebenswelten sich sonst nicht selbstverständlich begegnen: Die Projektgruppe des Deutschlandstipendiums an der Goethe-Universität Frankfurt vermittelt Begegnungen zwischen Studierenden sowie Seniorinnen und Senioren in Form von generationenübergreifenden Tandems. Der Name ist dabei Programm: Aus "Young" und "Old" wird "YOLD". Gemeinsam verbringen die Tandempartnerinnen und -partner Zeit, tauschen Erfahrungen aus und lernen voneinander – auf dem Campus Westend, bei kulturellen Unternehmungen, im Park oder bei einem gemeinsamen Kaffee. Im Mittelpunkt stehen dabei immer: Begegnung und voneinander Lernen auf Augenhöhe. "YOLD ermöglicht Begegnungen zwischen genau den Gruppen, die sich im Alltag sonst kaum begegnen. Statt Generationsunterschiede als Problem zu sehen, verstehen wir sie als wertvolles Potenzial – denn gerade die Unterschiedlichkeit ermöglicht gemeinsames Wachstum", so Simon Schaugg, YOLD-Mitgründer & -Mentor. Die Teilnehmenden schätzen das Angebot sehr: "Für mich als 'Oldie' bietet YOLD die wunderbare Möglichkeit, aus meiner 'bubble' herauszukommen, mich mit jungen Menschen auszutauschen und damit ihre Weltsicht kennenzulernen, von ihnen zu lernen und meinen Horizont zu erweitern sowie gelegentlich auch meine Erfahrungen, im besten Fall gewinnbringend, weiterzugeben", berichtet ein älterer Tandempartner. Und eine jüngere Tandempartnerin ist sich sicher: "Als Psychologiestudentin sehe ich in YOLD die Chance, gesellschaftlichen Zusammenhalt lokal zu stärken und gegenseitiges Verständnis zwischen den Generationen zu fördern."
Noch mehr gute Ideen gesucht
Nach einem Jahr lässt sich die Wirkung des Frankfurter Miteinanderfonds so nicht allein anhand von Zahlen messen. Sie zeigt sich auch in Form einer geselligen langen Tafel in Bergen-Enkheim, in neuen Bekanntschaften in Bonames, bei einer Tasse Tee und wertvollen Gesprächen in Harheim oder in einem Tandem zwischen zwei Generationen, das dauerhafte Verbindungen zwischen Menschen schafft.
100 geförderte Projekte bedeuten 100 unterschiedliche Ideen dafür, wie das Zusammenleben in Frankfurt nun noch besser gestaltet werden kann. Und die weiterhin eingehenden Anträge zeigen deutlich: Davon gibt es noch viele mehr. Wer selbst eine Idee hat, die Menschen in Frankfurt zusammenbringt und den Zusammenhalt vor Ort stärkt, kann sich beim “Frankfurter Miteinanderfonds” um eine Förderung bewerben. Die Stiftung unterstützt Vorhaben mit einer unkomplizierten und niedrigschwelligen Förderung mit bis zu 500 Euro. Zur Teilnahme berechtigt sind sowohl Einzelpersonen als auch Nachbarschaftsinitiativen oder gemeinnützige Organisationen.