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Förderung

Netzwerkveranstaltung

Familienbildung als Standortfaktor für Wirtschaft und Kommune

12. Februar 2026 von Karoline Leibfried

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Wie kann Frankfurt Familien in herausfordernden Zeiten stärken – und damit zugleich die Zukunft der Stadt als Lebens- und Wirtschaftsstandort sichern? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung "Zukunft gemeinsam gestalten: Familienbildung als Standortfaktor für Wirtschaft und Kommune", zu der die Stiftung Polytechnische Gesellschaft gemeinsam mit einem Zusammenschluss von Frankfurter Familienbildungsstätten im Februar 2026 in die Evangelische Akademie am Römerberg eingeladen hatte.

Zum Auftakt des Abends begrüßte Moderatorin Karen Fuhrmann die anwesenden Gäste, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie der Frankfurter Familienbildungsstätten.

Im Anschluss entwarf Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, ein Zukunftsbild für Frankfurt. Schon jetzt, betonte er, sei Frankfurt eine Stadt im Wandel, stetig wachsend und enorm vielfältig. Die Wirtschaft befinde sich im Umbruch, KI beschleunige den Veränderungsprozess zusätzlich. "Wir stehen unter Veränderungsdruck", so Dievernich – und betonte zugleich, dass gerade in Zeiten rasanten Wandels zentrale Grundlagen unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick geraten dürften. Man müsse gerade jetzt den Einzelnen stärken und zur Entwicklung von Resilienz befähigen; passgenaue Angebote zur Unterstützung seien hier enorm wichtig. Familienbildung sei dabei "ein ganz zentraler – und leider heute oft immer noch unterschätzter" Faktor. In seiner Eröffnungsrede gab er einen Ausblick auf Frankfurt im Jahr 2035 – wie es sein könnte: Frankfurt, so seine Vision, sei dann eine Stadt, in der Vielfalt gelebter Alltag ist, Sprachbarrieren keine Hürde mehr darstellen und Familienfreundlichkeit in Verwaltung und Unternehmen selbstverständlich geworden ist. "Familienkompetenzen gelten allgemein als Schlüssel zu Innovation, Resilienz und nachhaltiger Wertschöpfung", fasste er zusammen. Ein gutes Lebensumfeld für Familien sei daher ein zentraler Standortfaktor – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Frühe Hilfen wie in Finnland

Als Inspirationsquelle verwies Dievernich auf Finnland und das dortige System "Neuvola": ein flächendeckendes Netz von Eltern-Kind-Zentren, das Familien unabhängig von Herkunft oder Einkommen unterstützt und begleitet. Neuvola sei mehr als ein Programm, so Dievernich – es sei "eine Haltung, die Prävention ernst nimmt und früh ansetzt". Der Zusammenhang zwischen stabiler Eltern-Kind-Bindung und späterem Bildungserfolg sei gut belegt.

Auch in Frankfurt existieren mit den 13 Familienbildungsstätten in unterschiedlicher Trägerschaft bereits Strukturen, die in eine ähnliche Richtung wirken: mit Angeboten für Beratung, Begegnung, Begleitung und ganz konkreter Unterstützung in der frühen Elternzeit und in allen Umbruchsphasen des Lebens. Ein Beispiel dafür sind die "Willkommenstage in der frühen Elternzeit", die an diesem Abend mit einem Film vorgestellt wurden – ein Angebot, das Familien konkrete Orientierung und Hilfestellung gibt, ihnen Zugänge eröffnet, Teilhabe ermöglicht, Vertrauen und nicht zuletzt auch Netzwerke zum Austausch untereinander schafft.

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In der anschließenden Podiumsdiskussion trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Immer wieder ging es dabei vor allem auch um Fragen mit Blick auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (vhu), betonte die Bedeutung von Familienfreundlichkeit für die Attraktivität des Arbeitgebers. Flexible Arbeitszeitmodelle könnten einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. "In Deutschland ist hier auf jeden Fall noch Luft nach oben", so Pollert. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich viele Unternehmen derzeit in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bewegen. Die Erwartungen an Betriebe müssten daher auch realistisch bleiben. Intelligente Modelle seien gefragt. Auf eine Frage aus dem Publikum, wie er z. B. zum Thema Arbeitszeitkonten stehe, sagte Pollert: "Ich halte es für sehr gut, Arbeitszeitkonten mit Zeitguthaben zu führen; da gibt es unterschiedliche Systeme, die halte ich für sehr schlau. Wenn im Schnitt über die Zeit die Arbeitszeit erfüllt wird, dann profitieren davon beide Parteien."

»Auch für uns als familiengeführtes Unternehmen ist es gut, wenn wir Adressen weitergeben können, wo man den Mitarbeitenden mit ihren Fragen weiterhilft. Da sind Kontakte in die Familienbildung, die helfen, eine wichtige Entlastung.«

Susanne Freifrau von Verschuer
Unternehmerin und Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Frankfurt

Einen sehr persönlichen Blick auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie brachte Susanne Freifrau von Verschuer ein, Unternehmerin und Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Sie berichtete offen von eigenen Erfahrungen als Mutter und Geschäftsführerin ihres Familienunternehmens – und den damit verbundenen Herausforderungen. "In meinem Familienunternehmen sind wir um die 100 Menschen, meine Mitarbeitenden stammen aus 20 Nationen. Ich kümmere mich gerne selber um ihre Belange, gehe auf ihre persönlichen Bedürfnisse ein, versuche, zu unterstützen." Zum Beispiel, wenn es mal familiäre Probleme gebe. Bei größeren Unternehmen sei das oft nicht darstellbar, die könnten das nicht leisten, so von Verschuer. "Auch für uns als familiengeführtes Unternehmen ist es gut, wenn wir Adressen weitergeben können, wo man den Mitarbeitenden mit ihren Fragen weiterhilft. Da sind Kontakte in die Familienbildung, die helfen, eine wichtige Entlastung."

Sigrid Kemler, Leiterin der Katholischen Familienbildung Frankfurt, sagte hierauf: "Ich höre da einen Aufruf: Lasst uns zusammenkommen. Wir würden unsere Aktivitäten der Familienbildung sehr gerne ausweiten in Richtung Wirtschaft und Unternehmen. Auch ich wünsche mir, dass es 2035 ganz selbstverständlich ist, dass Unternehmen mit Familienbildungsstätten zusammenarbeiten, dass es da feste Kooperationen gibt."

Darüber, dass das wünschenswert ist, waren sich an diesem Abend alle Podiumsgäste einig. Es ging an diesem Abend aber auch "ans Eingemachte" – nämlich um Rollen-Bilder, die Verteilung der Care-Arbeit und die Frage der Chancengleichheit mit Blick auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In der Diskussion – auch mit dem Publikum – wurde deutlich, dass tief bzw. lange tradierte Rollenbilder noch immer wirken. Sigrid Kemler betonte, wie wichtig es sei, dass die Sorgearbeit in der Arbeitswelt als gemeinsame, gleichwertige Verantwortung beider Elternteile anerkannt werde. Um noch weiter in diese Richtung zu wirken, brauche es dringend den Austausch zwischen Familien, Bildungsträgern, Verwaltung und Wirtschaft.

Wie wichtig niedrigschwellige Angebote zur Orientierung und Hilfestellung in der frühen Phase des Elternseins sind, betonte auf dem Podium Hanan El Aiyachi, Leiterin der Familienbildung im Kinder- und Familienzentrum Fechenheim-Süd und selbst ehemalige Teilnehmerin der "Willkommenstage in der frühen Elternzeit". Ihre Perspektive verband dabei fachliche mit persönlicher Erfahrung – und machte greifbar, wie Familienbildung konkret wirkt: "Als ich in diese Stadt kam, war ich ganz neu in Deutschland. Ich hatte kein Netzwerk, war gerade Mutter geworden und alles war in Veränderung. Es war wichtig, dass das Team der 'Willkommenstage in der frühen Elternzeit' für meine Fragen und Themen da war. Das war eine große Entlastung für mich und für meinen Mann. Heute bin ich selber in der Rolle, anderen Familien Unterstützung zu geben."

Netzwerken zur Zukunftssicherung

Der Abend endete nicht mit einem konkreten Konzept dafür, wie der Stellenwert von Familienbildung als Standortfaktor für Wirtschaft und Kommune in Frankfurt noch weiterwachsen kann, sondern mit Gesprächen: Beim anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, die Angebote der Frankfurter Familienbildung an Thementischen näher kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und Diskussionen zu vertiefen. Genau darin lag vielleicht die wichtigste Botschaft des Abends: Zukunftssicherung ist keine Aufgabe einzelner Akteure. Sie entsteht im Zusammenspiel – nämlich dann, wenn Wirtschaft, Kommune, Zivilgesellschaft und Familienbildungsstätten Verantwortung teilen und gemeinsam handeln.

An den Angeboten des Zusammenschlusses der Familienbildung in Frankfurt interessierte Unternehmen finden nähere Informationen, Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner unter: familienbildung-in-frankfurt.de

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