Portrait

Gesunder Optimismus

14. Juni 2024, von Elisabeth Brachmann

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Analina Pitel hat eine "polytechnische Karriere" hinter sich. Sie war Diesterweg-Stipendiatin, Teilnehmerin beim Kolleg für junge Talente am Goethe-Gymnasium und zuletzt Stadtteil-Botschafterin. Das Porträt stellt die junge Frankfurterin vor.

2021 verbrachte Analina Pitel dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des Deutschen Bundestags auf der anderen Seite des Globus. Als Junior-Botschafterin im US-Bundesstaat Missouri machte sie zahlreiche Erfahrungen, die zu einem typischen USA-Aufenthalt dazugehören: Sie war Cheerleaderin, wurde von ihren Mit-schülerinnen und Mitschülern auf der Highschool sogar zur Prom-Queen gewählt. »Aber trotzdem war das eine herausfordernde Zeit«, sagt die 17-Jährige, die sich für Politik und Ethik begeistert, nachdenklich. »Desinformation, politischer Extremismus, Armut – auch das gehörte zum Alltag meiner Gastfamilie.« Aber nichts passiert ohne Grund, davon ist Analina überzeugt: »Wenn wir nie Schwierigkeiten hätten, würden wir auch nicht lernen, dass wir schwierige Dinge meistern können.« Wahrscheinlich sucht sich die Gymnasiastin, die 2011 als Erstklässlerin mit ihrer Familie aus Moldawien nach Frankfurt am Main kam, aufgrund dieser Lebenseinstellung auch immer wieder selbst neue Herausforderungen.

Mit ihrem Tandempartner Eren Cetingök war sie Stadtteil-Botschafterin für das Gallus – mit einer ganz persönlichen Projektidee: 2014 hatte sie mit ihrer Familie am Diesterweg-
Stipendium für Kinder und ihre Eltern teilgenommen, im Anschluss berichtete eine Kinderzeitung über die damalige Grundschülerin. Ein geheimer Förderer wurde auf den Artikel aufmerksam, in dem sie berichtete, ihr größter Wunsch sei es, Klavierspielen zu lernen – und schenkte ihr prompt sein Klavier, das bei ihm zu Hause ungenutzt darauf wartete, gespielt zu werden. Und damit nicht genug: Vier Jahre lang finanzierte er ihr außerdem den Klavierunterricht.

»Wenn wir nie Schwierigkeiten hätten, würden wir auch nicht lernen, dass wir schwierige Dinge meistern können.« Analina Pitel Diesterweg- und Stadtteil-Botschafter-Alumna

»Das hat mir die Welt der Musik eröffnet«, erinnert sich Analina, für die Klavierspielen noch heute die beste Möglichkeit ist, einfach mal abzuschalten. Mit ihrem Stadtteil-Botschafter-Kollegen plante sie, Kinder an die Musik heranzuführen, etwa durch eine Führung durch die Alte Oper Frankfurt und einen Workshop im Opernhaus der Oper Frankfurt am Willy-Brandt-Platz. Dort können die Kinder Musikerinnen und Musiker kennenlernen und verschiedenste Instrumente anfassen und ausprobieren.

Das Gefühl, vor einer großen Menge Menschen aufzutreten, kennt die Schülerin gut: 2020 etwa saß sie beim Frankfurter Hausgespräch auf dem Podium. Zuletzt teilte sie ihre Erfahrungen bei der Aufnahmefeier der neuen Generation des Diesterweg-Stipendiums, das, so sagt sie, ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat. So souverän sie solche großen Auftritte jedoch inzwischen meistert, spurlos vorbei gehen sie nicht an ihr: »Ich bin jedes Mal total aufgeregt! Aber wenn ich es geschafft habe, bin ich immer superstolz auf mich.« Seit mehr als neun Jahren kennt Analina Pitel nun die Stiftung. Wenn sie an die nächsten zehn denkt, möchte sie auch dann noch ein Teil ihrer Familie aus Alumni, Stipendiatinnen und Stipendiaten sein. Für die ist ihr gesunder, alles andere als naiver Optimismus ein echter Glücksfall.

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