Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern
Najiba Rahman
Ich bin eine ehemalige Stipendiatin der 4. Generation des Diesterweg-Stipendiums der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und habe 2024 mein Abitur an der Schillerschule in Sachsenhausen absolviert.
Im Jahr 2014 stand ich hier gemeinsam mit anderen Stipendiaten, und wir sangen:
"Wir sind die Diesterweg-Kinder,
wir wollen in die Zukunft sehen.
Wir sind die Diesterweg-Kinder,
kommt, lasst uns neue Wege gehen."
Damals konnte ich nicht wirklich erahnen, wie stark dieser Refrain mein Leben prägen würde.
Als ich in das Diesterweg Stipendium aufgenommen wurde, war ich unglaublich aufgeregt und nervös. Auch meine Familie wusste nicht, was auf uns zukam. Das Besondere am Diesterweg-Stipendium sei, dass es sich um ein Familienstipendium handelt – doch was bedeutete das für uns?
Meine große Schwester hatte keine Ahnung, dass sie durch das Stipendium den Mut finden würde, sich nach ihrer Ausbildung einem Studium zu widmen. Heute, zehn Jahre später, bereitet sie sich auf das dritte Staatsexamen im Studienfach Pharmazie vor.
Mein älterer Bruder stand aufgrund von sprachlichen Einschränkungen ebenfalls vor vielen Herausforderungen und hätte niemals geglaubt, dass er durch die Workshops und die Ermutigung der Stiftung seinen Weg so erfolgreich fortsetzen würde.
Und auch ich wusste nicht, dass ich mit der Unterstützung der Stiftung mein Abitur absolvieren und mich auf ein Studium vorbereiten würde, und zwar im Fach Erziehungswissenschaften. Denn auch ich möchte die Gesellschaft nachhaltig mitgestalten, so wie die Stiftung es tut und so wie ihr es tun werdet.
Das Stipendium war für uns alle eine Tür zu einer Zukunft, die wir uns nicht hätten vorstellen können.
Wir konnten nicht ahnen, dass auch nach dem Ende des Stipendiums die Verbindung zur Stiftung bestehen bleiben würde. Meine Eltern haben durch das Stipendium neue Freundschaften geschlossen, die bis heute halten. Meine Mama hat erst vor kurzem mit einer ihrer Diesterweg-Freundinnen telefoniert, und sie haben sich darüber totgelacht, dass ich vor 9 Jahren am Felsenmeer ausgerutscht bin. Unglaublich.
Aber auch ich treffe regelmäßig Freunde aus dem Stipendium, denn wir sind alle noch auf die eine oder andere Weise in der Stiftung aktiv und mit ihr verbunden. Inzwischen bin ich sogar ehrenamtlich in der Stiftung tätig und durfte einige Kinder bereits als Kinderbetreuerin begleiten.
Uns alle, meine Familie und viele ehemalige Stipendiaten hat die Stiftung über die Jahre hinweg mit vielen Programmen und Angeboten durch verschiedene Lebensphasen begleitet – sei es Diesterweg Plus, das Stadtteil-Botschafter-Projekt, das Kolleg für junge Talente oder Kolleg Plus.
Dieser Weg steht allen kommenden Generationen offen. Alle Familien, die ins Stipendium aufgenommen werden, möchte ich noch folgendes sagen: Ihr alle habt ein großes Potenzial, sonst würdet ihr nicht hier sitzen. Es ist egal, wo ihr herkommt und wie lange ihr schon hier seid. Ich bitte euch darum, euch dieses Potenzials und eurer Möglichkeiten bewusst zu werden und euch entsprechend zu entfalten.
Man wird Teil eines großen Netzwerkes, in dem so gut wie nichts unmöglich ist. Das ist ein großes Privileg. Hier ist man nicht allein. Nehmt an den Veranstaltungen teil, seid bereit und offen, habt den Mut, neue Wege zu gehen.
Kommt mit eurer ganzen Familie, denn es ist für jeden etwas dabei.
Ein kleiner Hinweis noch – ihr habt es sicherlich schon herausgehört: Auch wenn die Laufzeit des Stipendiums nur zwei Jahre beträgt, lasst euch nicht täuschen – auch aus dieser Familie kommt man nicht mehr heraus. Einmal Diesterweg, immer Diesterweg.
Vielen Dank.