Die Stiftung auf der didacta 2026

Mit der Zukunft tanzen

25. März 2026 von Karoline Leibfried

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Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft stellte auf der didacta 2026 ihr Programm "Future Skills für Schulen" vor und diskutierte mit Praxispartnern über die Chancen und Herausforderungen von Schulentwicklung im Zeichen von Zukunftskompetenzen.

Eine starke Bühne für Bildung

didacta – dieser Schriftzug ist auf den bunten, im Wind wehenden Fahnen vor dem riesigen Gebäudekomplex der Koelnmesse am 13. März 2026 zu lesen. Hinter dieser relativ kurzen Aneinanderreihung von Buchstaben steckt eine ganze Menge: die größte Bildungsmesse Europas. Sie ist in die drei Bildungsbereiche gegliedert – Frühe Bildung, Schulische und Außerschulische Bildung sowie Berufliche Bildung und myQ-Qualifizierung –, und betrachtet und präsentiert damit die Gesamtheit der Bildungswelt: Lernorte von Kita bis Campus, Didaktik und Curriculum-Design, analoge und digitale Materialien und die direkte Vernetzung von Praxis und Politik sind auf der didacta hautnah erfahrbar. In vier Hallen präsentieren 720 Aussteller ihre Ideen und Produkte rund um das Thema nachhaltige und tragfähige Bildungszukunft. Und so ist man von den vielen unterschiedlichen Eindrücken auch erst einmal kurz "erschlagen", wenn man das Gebäude betritt.

Die Besucherinnen und Besucher, die durch die Gänge der verschiedenen Hallen strömen, können auf der didacta nicht nur Infostände besuchen und netzwerken, sondern auch Talkrunden zu verschiedensten Themen erleben. Auch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist mit einem Beitrag vertreten – auf dem "Forum Schulpraxis" in Halle 7: "Mit der Zukunft tanzen: Wie sich Frankfurter Schulen mit Future Skills herausfordern", so der Titel des Panels. Auf dem Podium: Nicola Gudat, Schulleiterin der Anne-Frank-Schule Frankfurt, Lehrer und Schulleitungsmitglied Jens Dorfmeyer, Stufenleitung 9/10 an der IGS Friedrich Ebert, Schülerin Amira und Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie alle sprechen an diesem Tag mit Moderatorin Berit Moßbrugger über ihre Erfahrungen im neuen Programm "Future Skills für Schulen" der Stiftung Polytechnische Gesellschaft – einem Qualifizierungs- und Schulentwicklungsprogramm für zukunftsorientierte Schulleitungsteams und ihre Kollegien. Die teilnehmenden Schulen werden zwei Jahre lang bei ihrem Transformationsprozess begleitet und dazu befähigt, ihr selbstgewähltes Schulentwicklungsvorhaben umzusetzen. Damit sie zu Schulen werden, in denen Future Skills gelebt, vermittelt und trainiert werden.

Raus aus der Komfortzone

"Wir wollen heute die Lupe in die Hand nehmen und schauen: Was passiert mit Schule, mit den Menschen dort, wenn wir Ernst machen und an Schule Zukunftskompetenzen Einzug halten lassen", eröffnet Berit Moßbrugger das Panel. "Wo wird es denn beim Thema 'Future Skills an die Schule bringen' vielleicht auch mal unbequem?", will sie von Schulleiterin Nicola Gudat wissen. "Seit wir mit unserer Schule an dem Programm teilgenommen haben, musste ich als Schulleitung zum Beispiel lernen, Kontrolle abzugeben und auszuhalten, dass vom Kollegium Dinge ausprobiert werden, die vielleicht auch scheitern könnten. Man muss das zulassen können." Zum Beispiel die Idee, dass alle Schülerinnen und Schüler in der Schule Hausschuhe tragen. Das wäre bequemer – hat aber in der Praxis leider nicht funktioniert. "Man muss als Schülerin oder Schüler natürlich auch dazu bereit sein, sich umzustellen und sich auf solche Sachen einzulassen", so Amira. Das könnten manche besser als andere, die müssten sich da noch etwas mehr öffnen. "Diese Experimente binden natürlich auch Zeit, das betrifft ja auch uns als Schülerinnen und Schüler." Sie merke aber, dass das Programm an ihrer Schule tatsächlich etwas ins Rollen bringt. "Früher haben wir vor allem Frontalunterricht gemacht, das verändert sich gerade. Wir als Schülerinnen und Schüler dürfen den Unterricht viel mehr mitgestalten, das macht Spaß. Ich fühle mich dadurch viel freier und selbstbestimmter."

»Früher haben wir vor allem Frontalunterricht gemacht, das verändert sich gerade.«

Schülerin amira,
teilnehmerin am Programm "future skills für schulen"

Warum Future Skills ein wichtiges Thema für die Stiftung sind, will Berit Moßbrugger von Frank Dievernich wissen. "Mit dem Thema 'Future Skills' als eigenem Stiftungsprogramm haben wir in der Stiftungsarbeit einen neuen Raum eröffnet – ohne, dass wir genau sagen können: Wenn wir A machen, kommt dabei ganz sicher B heraus", so Stiftungsvorstand Frank E.P. Dievernich. "Das geht mit einer gewissen Unsicherheit einher, die muss man aushalten. Wir haben damit eine Art 'Experimentierraum' eröffnet. Es ist ein neues Programm mit einer anderen Logik." Wenn man einen neuen Weg beschreite, gehe eben auch ein Stück weit Sicherheit verloren, so Dievernich weiter. "Aber: Im Tun fangen wir an zu lernen. Wir haben tolle Schulen, die wir nun im Programm begleiten. Und wenn wir einer Schule so etwas anbieten, müssen wir uns natürlich auch innerhalb der Stiftung mit dem Thema Future Skills auskennen und beschäftigen – daher stellen wir auch stiftungsintern das Jahr 2026 unter das Jahresthema 'Future Skills'; das Stiftungsteam beschäftigt sich derzeit also auch selber intensiv mit diesem Thema und seiner Bedeutung für den eigenen Arbeitsalltag."

Programmsteckbrief

Future Skills für Schulen

weitere Informationen

Der Weg ist das Ziel

Was die Podiumsgäste bisher im Laufe des Programms an Veränderung erlebt und gelernt haben, ist eine weitere Frage der Moderatorin. Welche Future Skills sie für sich persönlich entdeckt haben. "Ambiguitätstoleranz – die Dinge auszuhalten", nennt Nicola Gudat. "Sensemaking", ist Amiras Antwort. "Weil der Schlüssel zu im Grunde allem ist, sich zu fragen – warum mache ich das? Den Sinn hinter allem zu verstehen, das treibt mich an." Für Frank E.P. Dievernich lautet die Antwort: "Nebelkompetenz. Sich zu bewegen, obwohl man nicht ganz klar sehen kann, was vor einem liegt, ohne Planungssicherheit. Und Verantwortungskompetenz – zu lernen, Verantwortung zu übernehmen." Dass das Thema Verantwortungsübernahme im Schulentwicklungsprozess ein ganz zentrales ist, empfindet auch Jens Dorfmeyer so: "Wenn Organisationen sich verändern sollen, müssen alle bereit dazu sein, mehr Verantwortung zu übernehmen, auch die Lehrkräfte", so Dorfmeyer. "Das merken wir gerade. Wir brauchen an Schule ein ganz anderes Mindset gegenüber Veränderungen. Wir probieren gerade viele Sachen aus, manches funktioniert nicht, da müssen wir nachsteuern. Aber: Der Weg ist das Ziel, das merken und lernen wir gerade. Wir täten alle gut daran, wenn wir Schule mehr als einen Ort begreifen, an dem auch mal etwas mehr experimentiert werden darf, vielleicht auch mal Fehler passieren, aus denen man für die Zukunft lernen kann. Was ich beachtlich finde: Wir werden gerade als Lehrerinnen und Lehrer selber wieder zu Lernenden – das verändert auch sehr positiv das Verhältnis zwischen Schülerschaft und Lehrerschaft. Man verlässt als Lehrkraft die Position: Das da hinten sind meine Schülerinnen und Schüler und hier vorne stehe ich und bringe ihnen Sachen bei. Man begibt sich vielmehr auf eine Ebene, begegnet sich auf Augenhöhe – das ist eine schöne Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte."

"Wir wollen Schulleitungen Mut dazu machen, Neues auszuprobieren – und sie so dabei unterstützen, einen Rahmen schaffen, in dem Veränderung möglich ist", schließt Dievernich. "Mit Empathie und Achtsamkeit. In der Hoffnung, dass die im Programm gesammelten Erfahrungen von dort aus immer größere Kreise ziehen, auch andere Schulen inspirieren und zur Veränderung ermutigen."

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