1. Junge Menschen wollen mitreden und mitentscheiden – und nicht nur Betroffene sein, über die entschieden wird
Es braucht echte Beteiligung. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass politische Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden – insbesondere bei Zukunftsfragen wie Klima, Bildung, Digitalisierung, Staatsverschuldung oder Wehrpflicht.
Ein großer Wunsch: mehr direkte Begegnungen mit Politikerinnen und Politikern. Austausch, Perspektivenwechsel, den Menschen hinter der Politikerin/dem Politiker kennenlernen – so wird Politik spannend und es können belastbare politikorientierte Beziehungen entstehen jenseits der meist nur kurzfristigen Aufmerksamkeit vor anstehenden Wahlen.
Niedrigschwellige Zugänge sind entscheidend, damit junge Menschen überhaupt mit Politik in Berührung kommen. Geschehen sollte das dort, wo sich junge Menschen aufhalten – in Schulen, Vereinen, Jugendclubs oder auf digitalen Plattformen und in den sozialen Medien.
2. Die demokratische Mitte muss junge Menschen wieder besser erreichen
Viele junge Menschen erleben die Parteien der demokratischen Mitte nicht als attraktive Orte. Sie sollten zugänglicher und mutiger werden und jungen Menschen früher Verantwortung zutrauen, ohne sie zeitlich zu überfordern – zugegebenermaßen ein Spagat. Wenn die demokratischen Parteien der Mitte für die Jugend attraktiver werden wollen, sollten sie entsprechende Beteiligungs- und Engagementformate anbieten.
Schließlich kann eine bessere Aufklärung über politische Zwänge und Entscheidungsprozesse dazu beitragen, (partei-)politische Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen und das Vertrauen in die Demokratie zurückzubringen bzw. zu stärken.
3. Politik muss auf langfristige Perspektiven setzen – und damit generationsgerechter werden
Politische Entscheidungen werden häufig zu stark vom kurzfristigen Wahldruck geprägt. Dringende Reformen werden aus Angst vor Unpopularität zu oft verschoben; gerade diese sind aber notwendig, damit die Zukunftsfähigkeit gesichert wird. Dies gilt gerade für die junge Generation, die noch die meiste Lebenszeit vor sich hat und in dem entsprechenden gesellschaftlichen Kontext leben muss. Es braucht eine dezidiert systematische Berücksichtigung dieser Zielgruppe.
4. Politische Bildung muss als demokratische Schlüsselkompetenz verankert werden
Die Forderung nach einer stärkeren politischen Bildung und einer kritischen Bestandsaufnahme der bisherigen Vermittlungsformate ist zentral. Dabei reicht die bloße Wissensvermittlung nicht. Demokratie muss eingeübt werden; dies vor allem durch geführte Debatten, kritisches Denken, Perspektivwechsel und konstruktiven Streit. Genau dafür braucht es an den unterschiedlichsten Bildungsorten Räume und Ressourcen möglichst schon ab dem Kindergartenalter, um Bildungsungerechtigkeit entgegenzuwirken.
Generell braucht es eine stärkere Medienkompetenz als Teil der politischen Bildung, damit Informationen kritisch eingeordnet werden können. Medienkompetenz muss daher als Pflichtfach an Schulen eingeführt werden.
5. Aus den Blasen aussteigen, um Polarisierung entgegenzuwirken
Demokratie lebt davon, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, zuzuhören und Kompromisse zu suchen. Sie bedeutet Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Sichtweise infrage zu stellen.
Es braucht dafür innovative Formate, die Menschen verschiedener Generationen, Lebensrealitäten und politischer Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen und sie mit Argumenten und Fakten versorgen. Nur so kann der Blasen- und Echokammerbildung digitaler Medien wirksam etwas entgegengesetzt werden.
6. Medien und Wissenschaft müssen eine besondere Verantwortung übernehmen
Viele junge Menschen informieren sich heute vor allem über digitale Plattformen und Social Media. Politik und demokratische Institutionen müssen dort präsent und verständlich sein, wo Jugendliche tatsächlich erreicht werden. Es braucht attraktive Gegenangebote, die fakten- und wissensbasiert sind. Wichtig ist eine Medienlandschaft, die weniger auf Zuspitzung und mehr auf sorgfältige Einordnung, Qualitätskontrolle und faktenbasierte Debatten setzt. Daher muss auch die Wissenschaft als unabhängiger und transparenter Grundpfeiler demokratischer Entscheidungen gestärkt werden.
Die »Junge Paulskirche« wirkt nach
Eine während der Konferenz durchgeführte Umfrage zeigt die nachhaltige Wirkung des Programms: 94 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass die "Junge Paulskirche" ihr Denken und Handeln nachhaltig geprägt hat, so auch Dana Wiesner, Alumna des Programms: "In der 'Jungen Paulskirche' habe ich gelernt, wie wichtig kritischer und faktenbasierter Austausch für eine demokratische Gesellschaft ist. Das hat mich und mein Verhalten geprägt."
Besonders häufig nannten die Jugendlichen auf die Frage, was sie vom Programm mitgenommen haben: Debattenkultur, kritisches Denken, Differenzierungsfähigkeit, Demokratieverständnis und Selbstbewusstsein.
"Für unsere Demokratie macht vor allem die Bereitschaft und das Engagement dieser jungen Menschen Mut: Sie wollen Verantwortung übernehmen, diskutieren, Brücken bauen und unsere Demokratie aktiv mitgestalten. Sie fühlen sich als Botschafterinnen und Botschafter sowie Vorbilder gelebter Demokratie. Das ernst nehmen und darauf aufbauen, dürfte das Gebot der Stunde für eine resiliente Demokratie sein", fasst Katharina Kanold, die Organisatorin der Konferenz und stellvertretende Bereichsleiterin Bildung für Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, den Tag zusammen.
Die "Junge Paulskirche" wird im Schuljahr 2026/2027 konzeptuell weiterentwickelt; die nächste Ausschreibung ist für August 2027 vorgesehen. Weitere Informationen: https://www.junge-paulskirche.de/.